Der Vorstand des DGB-Kreisverband Borken hatte die SPD-Kreistagsfraktion Borken zu einem ersten Gespräch nach Gründung des DGB-Kreisverband eingeladen. Der DGB-Kreisverband Borken wurde im Sommer 2013 gegründet. Ihm gehören die Vertreterinnen und Vertreter der 8 Gewerkschaften im Kreis Borken an. Da der Vorsitzende des DGB-Kreisverband Dieter Sauerwald erkrankt war, moderierte der stellvertretenden Kreisverbandsvorsitzenden Robert Brandt die Veranstaltung.

Zu Beginn wurde über die Gewerkschaftsarbeit allgemein gesprochen. Viele Menschen sind heute der Meinung, dass eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft nicht notwendig sei, da die durch Gewerkschaften ausgehandelten notwendigen Tariferhöhungen für alle gelten. Auch viele Rentnerinnen und Rentner verlassen die Gewerkschaften. Elisabeth Lindenhahn hat Verständnis für diese Austritte. Die Rentenbezüge werden immer geringer. Da können Gewerkschaftsbeiträge ein großer Ausgabeposten sei, der eingespart werden muss.

Früher seien die Menschen auf die Straße gegangen. Damals stand eher ein alltagskultureller Aspekt im Vordergrund der Argumentation, nämlich der der Familienpolitik, Freizeitpolitik, Lebensqualität zu schaffen durch eine Verkürzung der Arbeitszeit. Der bekannteste Slogan "Am Samstag gehört Vati mir" deutet genau in diese Richtung und genau das hat die Menschen damals mobilisiert, das hat den richtigen Punkt getroffen, nämlich auf dem Wege zu einer eher freizeitorientierten Gesellschaft. Ein Großteil der Bevölkerung hatte in dieser Zeit die Gewerkschaften tatsächlich als Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gesehen.

Ein Thema war die Jugendarbeit der Gewerkschaften Bei der Diskussion wurde festgestellt, dass viele Jugendliche wenig über die Arbeit von Gewerkschaften wissen. Bei Berufsschultagen wird es dem DGB schwer gemacht, mit Infoständen die Jugendliche zu informieren. Jedoch hat der DGB inzwischen darauf reagiert.

Robert Brand berichtete, dass seit 2013 der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der Region Münsterland im Bereich Jugend nun auch hauptamtlich unterstützt wird. Der Jugendbildungsreferent des DGB für die Region Münsterland Niko Köbbe will die gewerkschaftliche Jugendarbeit außerhalb des betrieblichen Umfeldes voranbringen.
Seine hauptsächlichen Arbeitsschwerpunkte liegen in der Berufsschul- und in der Studierendenarbeit. Im Schulunterricht sollte mehr über Gewerkschaften, Ausbildung und Jugend- und Auszubildendenvertretung aufgeklärt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt waren Arbeitsplätze und eine ausreichende Bezahlung, bei der die Arbeitnehmer nicht noch zusätzlich Sozialleistungen beantragen müssen. Der DGB begrüßt, dass nun endlich der Mindestlohn eingeführt wurde. Die von vielen Arbeitgebern befürwortenden großen Ausnahmeregelungen sind ausgeblieben. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Arbeitgeber, die bisher Löhne unterhalb dieser Grenze gezahlt haben, sich auch daran halten. Insgesamt wurde die Arbeitsplatzentwicklung im Kreis Borken positiv eingeschätzt. Allerdings gibt es auch im Kreis Borken einige Baustellen. Die Entwicklung bei Hülsta (140 Mitarbeiter gehen in eine Transfergesellschaft) wird kritisch gesehen.

Es wurde der Mangel an Gewerbeflächen angesprochen, sowie die teilweise desolate Entwicklung in den Innenstädten. Viele Ortsteile haben keine Lebensmittelmärkte mehr. Der DGB fordert einen ausgewogenen sozialen Wohnungsbau im Kreis Borken. Für viele Arbeitnehmer fehlen bezahlbare Wohnungen. Otger Harks teilt mit, seiner Ansicht nach könne man viel erreichen, wenn eine gute Innenstadtentwicklung und eine Reaktivierung älterer Baugebiete erfolgen würde. Hieran müsse intensiv gearbeitet werden.

Auch über den nicht ausreichende ÖPNV im Kreis Borken wurde diskutiert. Die Vertreter des DGB berichteten über Situationen, wo es aufgrund dieser Tatsache zu keiner Einstellung von Arbeitslosen kommt, bzw. dass junge Leute eine Ausbildung aufnehmen. Hintergrund sind nicht vorhandene Verbindungen zum Arbeits-, bzw. Ausbildungsplatz. Elisabeth Lindenhahn erklärte, es werde ein neuer Nahverkehrsplan für den Kreis Borken erstellt. Darin soll z.B. auch eine bessere Erreichbarkeit der FH in Bocholt aus dem Nordkreis eingearbeitet werden. Wegen der allgemeinen Mobilitätsentwicklung im Kreis Borken habe die SPD-Kreistagsfraktion einen Antrag gestellt, ein auf die Zukunft ausgerichtetes Konzept zu erstellen.

Der Gesetzentwurf zur Tarifeinheit, den die SPD Arbeitsministerin Andreas Nahles vorgestellt hat, wurde ausführlich diskutiert. Dabei sahen die Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion und die Mehrheit im DGB-Vorstandes das Streikrecht nicht eingeschränkt.

Nach 2 Stunden intensiver Diskussion war man sich einig: Es hätten noch viele weitere Themen angesprochen werden können. Das soll in weiteren Treffen geschehen.

Robert Brandt dankte für die sehr sachliche und faire Gesprächsrunde und hofft auf eine baldige Wiederholung.

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